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Eine Wertentscheidung

Linux ist sicher, kostenlos, sehr stabil und leicht an die eigenen Bedürfnisse anpassbar. Aber: Die Entscheidung für Linux ist auch :!: eine Wertentscheidung.

Marktmacht und -missbrauch

Windows 95, Windows 98, Windows ME, Windows 2000, Windows XP, Windows Vista, Windows 7 … alle 3 bis 4 Jahre bringt der Monopolist ein neues Betriebssystem auf den Markt. Bei vorinstallierten Systemen kostet dieses rund 40€, wenn Sie sich dieses selbst kaufen, dann zahlen Sie zwischen 60€ und 150€ in Abhängigkeit von der Version (Home, Professional, Ultimate …).

Dazu kommt, dass der oben gezeigte permanente Versionswechsel nicht auf das Betriebssystem Windows beschränkt ist, sondern beim Office-Paket ebenso verfahren wird: Office 2000, Office 2003, Office 2007, Office 2010 …

Das Problem hiermit ist für Linuxer weniger, dass für Software Geld verlangt wird. Einige Linuxe (Redhat, SuSE) kosten ebenfalls Geld. Das Problem ist die Art und Weise mit der der Monopolist seine marktbeherrschende Stellung durchzudrücken weiß:

  • erschwerter Einsatz von Produkten anderer Hersteller (z. B. durch Veränderung von Standards oder ständige Erweiterung des Betriebssystems um Zusatzfunktionen, die von Drittanbietern bereits angeboten werden).
  • erzeugen eines Zwanges, auf die neueste Version umzusteigen (z. B. durch Schaffung von Inkompatibilitäten, Verpflichtung von OEM-Herstellern, auf die neueste Betriebssystemplattform umzustellen)
  • sonstige Maßnahmen zur Sicherung der Monopolstellung (z.B. durch Datei- und Software-Inkompatibilitäten, Netzwerk-Inkompatibilitäten, Marketing)

Die Quelle und weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Microsoft#Kritik

Vor allem die Einführung des Dokumentenformats DOCX hat in letzter Zeit viel zur grundsätzlichen Kritik am Vorgehen von Microsoft beigetragen: Das Dokumentenformat wurde in einen von vielen Beteiligten heftig kritisierten Prozess neben dem Dokumentenformat von OpenOffice als weiterer internationaler Standard durchgesetzt und basiert auf einer über 6.000 Seiten langen Formatbeschreibung, die keiner (außer eben dem Hersteller) je wird verdauen können. Eine ausführlichere Kritik mit Verweisen ist hier zu finden: http://de.wikipedia.org/wiki/Docx#Kritik

Über die Jahre wächst der Eindruck, dass hier nicht technologische Innovation bezahlt wird, sondern ein Unternehmen seine Maschinerie zum Gelddruck weiter ausbaut - nicht immer mit fairen Mitteln. Die Tatsache, dass sich inzwischen auch andere Firmen dieser Taktiken bedienen (Apple mit dem iPhone und allen verwandten Diensten) macht die Situation nicht besser.

Eine Auflistung der vom Monopolisten inzwischen bezahlten Summen für Monopolvergehen finden Sie im oben verlinkten Artikel. Die vielen Wiederholungen zeigen: Ein Lernen scheint kaum stattgefunden zu haben.

Wer den Film The Corporation kennt, weiß, dass Unternehmen psychopathische Züge aufweisen können - und auch Apple und Microsoft sind Unternehmen, auf die die Psychopathie-Checkliste in einem übertragenen Sinn zutrifft.

Software und Wissenschaft

Weiter kommt hinzu, dass Linuxer dem kapitalistischen Modell bei Software kritisch gegenüberstehen.

Software sollte :!: ein Produkt sein, das auf Grund seiner Bedeutung für die Welt im 21. Jh. in einem wissenschaftlichen und demokratischen Prozess entwickelt wird. Offene Standards für Dokumente sollen den Wettbewerb der Ideen um die besten Werkzeuge (Programme) sicher stellen.

Geld soll in diesem Modell „nur“ mit Serviceleistungen wie Support und speziellen, auf den Kunden zugeschnittenen Weiterentwicklungen verdient werden. Dass hierdurch vor allem kleine und mittelständische Unternehmen in der eigenen Region gewinnen ist eine schöne Nebenwirkung und erinnert nicht zufällig an Argumentationsmuster aus dem Umweltschutzbereich: global denken, lokal handeln.

Alle Argumente, die für einen offenen wissenschaftlichen Prozess und gegen die rechtliche Einschränkung der Nutzung und Verbreitung von Wissen (hier in der speziellen Form von Software) sprechen, macht sich die OpenSource Bewegung auf die eine oder andere Art zu eigen. Entscheidend für einen wissenschaftlichen und demokratischen Prozess der Softwareentwicklung sind die folgenden Freiheiten:

  • Die Freiheit, das Programm zu jedem Zweck auszuführen
  • Die Freiheit, das Programm zu studieren und zu verändern
  • Die Freiheit, das Programm zu kopieren
  • Die Freiheit, das Programm zu verbessern und zu verbreiten, um damit einen Nutzen für die Gemeinschaft zu erzeugen.

Alle genannten Freiheiten setzen voraus, dass das Programm im Quelltext eingesehen werden kann. Weitere Informationen - auch zur Motivation der Beteiligten - finden Sie im entsprechenden Portal bei der Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Freie_Software

Werte

Aus Sicht der Vertreter/innen der Freien-Software-Bewegung geht es also um:

  • gleichberechtigte Teilhabe Aller (Demokratie)
  • an einem offenen, wissenschaftlichen Prozess (Ideenfreiheit)
  • ohne Ausschluss nach den üblichen Kriterien ökonomischer Macht (soziale Gerechtigkeit, Wahlfreiheit)

Linux ist damit immer auch ein System für Idealisten. Dass es zu einem bestimmten historischen Moment evtl. nicht die ideale Software für ein bestimmtes Problem gibt (sehen Sie hierzu die Seite Stiefkinder) ist dann entweder hinzunehmen oder sollte für die Betroffenen zur Motivation werden, sich an der Entwicklung einer besseren, als der vorhandenen Lösung zu beteiligen.

Es steht damit die Aufforderung im Raum, nicht in monopolisierte Fertigkost, sondern in das eigene Wissen zu investieren. Eigentlich ein Modell, das an und für Schulen vermittelbar sein sollte.

Weiter: Literaturhinweise

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linux/werte.txt · Zuletzt geändert: 2011/12/06 08:53 von d.weller