KvFG Moodle wird 6

March 1st, 2010 | 6:05

Pudel + Malteser = Moodle – und dazu noch handelt es sich hierbei um ein Bild aus dem flickr Account des Chefprogrammierers von Moodle, Martin Dougiamas. Tatsächlich wussten vor einigen Jahren die meisten Menschen noch nicht so richtig, wie sie dieses Wort überhaupt aussprechen sollten. “Mohdle” war noch häufig zu hören – neben ratlosen Blicken. Jetzt ist es ein Synonym für E-Learning.

Heute vor 6 Jahren ging unsere erste Moodleinstallation noch unter der URL kvfg.de/informatik/moodle online – kaum 24 Stunden, nachdem ich das System zum ersten Mal auf einer ZPN Sitzung in Esslingen gesehen hatte. Von der Sitzung bekam ich dann nicht mehr viel mit – ich musste schließlich spielen :-)

Kurze Zeit später zogen wir das kvfg.de Moodle auf die Subdomain moodle.kvfg.de um, erstellten unser erstes eigenes Theme, integrierten die ersten Plugins.

Die erste Generation an Schülern war noch ebenso euphorisch wie ich, die Arbeit mit Moodle machte Spaß, war etwas ganz Neues. Die übernächste Generation merkte dann schnell, dass es sich um eine Arbeitsplattform handelt und war weitaus weniger begeistert.

Noch vor den Sommerferien 04 gingen meine ersten Seiten zu Moodle auf dem LFB online. Es folgte eine wilde Phase mit vielen Umzügen unserer Schulinstallation – zuerst zu kvfg.org, dann zu kvfg.net, zuerst nur mit http, dann mit self-signed https und inzwischen auch mit kommerziellem Zertifikat. Auf dem hausinternen Server wurde eine zweite Moodleinstallation für die Lehrer eingerichtet – aus der später das Lehrermoodle auf kvfg.org und die Fortbildungsreihe Moodle in der Schulorganisation wurde. Parallel hierzu bauten wir in Esslingen die Fortbildungen zu Moodle immer weiter aus: Zuerst mit einem zweitägigen Basiskurs, dann einem Kurs zur Administration. Es folgte die Ausdifferenzierung in “Moodle im Unterricht” und “Moodle in der Schulorganisation”, “Themeerstellung für Moodle” und vieles mehr. Heute gibt es den Basiskurs zu Moodle als schulinterne Fortbildungsveranstaltungen: Hunderte Kolleg/innen haben teilgenommen und allen Schulen im Ländle konnte durch die Kooperation mit BelWü eine eigene Plattform gestellt werden.

Aus diesem einen Tag in Esslingen ist inzwischen eine der breitesten, ausdifferenziertesten und umfassendsten Fortbildungsreihen im Ländle der letzten Jahre geworden, hunderte von Seiten Dokumentation entstanden und hunderte von Schulmoodles sind inzwischen online gegangen.

Moodle ist eine Erfolgsgeschichte.

Und bei mir selbst? Ich entdeckte über diese serverbasierte Software die Software darunter: Apache, MySQL, PHP und Linux. Ohne Moodle wäre ich nie zum Pinguin mutiert – und das KvFG wäre kein Aproved Academic Partner des LPI geworden. Auch hätte ich mich ohne Moodle bestimmt nie derartig an der Landesakademie in Esslingen festgebissen.

Und wie geht es weiter?

Moodle ist nett für die Arbeit in Gruppen, aber zu schwach für die Arbeit in großen, hierarchisch strukturierten Teams. Hier ist eGroupWare oder OpenGoo die bessere Wahl. Materialien und Übungen in Kursräume zu verpacken ist nicht schlecht – aber Interaktion und auch die Arbeitsergebnisse gehören wieder mehr in die Öffentlichkeit. Wikis und Blogs sind neben Moodle stärker zu nutzen und zu fördern. Die mehr oder weniger intuitive Bedienbarkeit von Moodle erleichtert den Einsteig in die Internetarbeit – jetzt wird es aber wieder Zeit, sich mit den grundlegenden Techniken hinter einer hübschen graphischen Oberfläche, der GUI, zu beschäftigen. Schließlich sind wir ein Gymnasium und sollten Kompetenzen nicht als Klickida und Klickidort vermitteln. Dazu kommt, dass wir es zunehmend mit Schülern zu tun bekommen, die mit dem Netz aufgewachsen sind und dieses vermehrt für den Konsum von Medien einsetzen. Mit Hilfe von graphischen Oberflächen klicken sie sich weitgehend verständnisfrei durch eine bunte Welt und reflektieren nicht, dass das freie Internet vielleicht bald nicht mehr existiert.

Es wird Zeit für eine Vertiefung des technischen Wissens und eine Intensivierung der Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung in ihrer jetzigen Form.

Der Renaissance gehört die Zukunft.

Elektrisch, Unterricht, Zukunft | Comments Jump to the top of this page

2 comments on “KvFG Moodle wird 6”

  1. 01

    Sechs Jahre Moodle ist beeindruckend viel Erfahrung. Ich habe nur reingeschnuppert in Moodle und benutze es regelmäßig, aber oberflächlich. Blogs führen zu längeren Texten, die machen aber mehr Arbeit. Deswegen mag ich Blogs. Und ja, ich freue mich dann auf die nächste Phase: mehr Öffentlichkeit, mehr Hintergrund.

    Herr Rau at March 2nd, 2010 around 19:59
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  2. 02

    Blogs führen tatsächlich zu längeren Texten – vor allem aber auch zu Schreibhemmungen bei vielen Schüler/innen. Die “Angst des Autors vor dem leeren Blatt” vor dem Hintergrund, dass der Text dann öffentlich einsehbar sein wird – irgendwas in der Richtung scheint die Ursache zu sein.

    Dabei könnte man doch, wenn man mal ein Thema gefunden hat und dieses als Schüler/in über längere Zeit in einem Blog verfolgen soll, “einfach drauf los schreiben”: Kommentierte Linksammlungen sind z.B. meist ein guter Startpunkt oder auch Kommentare bzw. Stellungnahmen zu Artikeln in der Onlinepresse. Hier (http://www.kvfg.net/gemeinschaftskunde/) entwickelt sich schon was … aber eher schleppend.

    d.weller at March 5th, 2010 around 08:30
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